Es begann damit, dass jemand zusah.
Frühjahr 2022, Herford
Im Frühjahr 2022 beobachtete Harald Scharfenorth seine Frau bei der Gartenarbeit. Was er sah, ließ ihn nicht mehr los — und führte anderthalb Jahre später zu einem deutschen Patent.
Der Auslöser
Die schwere Arbeit des Kompostsiebens
Harald Scharfenorth und seine Frau teilen sich einen Hausgarten in Herford. In jenem Frühjahr wollte sie ihn allein bewirtschaften — und er hatte nichts dagegen. Also sah er ihr zu, wie sie den Kompost siebte: auf die übliche Weise, mit einem Rahmensieb in den Händen, schüttelnd.
Es ist eine Arbeit, die niemand gern macht. Kompost ist schwer, das Sieb muss immer wieder bewegt werden, und man steht dabei gebückt. Später sollte genau das in der Patentschrift stehen:
„Ein händisches Sieben von Kompost ist ermüdend. Außerdem besteht hierbei die Gefahr, dass sich der Anwender einen Rückenschaden zuzieht, da es sich bei dem Kompost um ein relativ schweres Material handelt, das hin- und herbewegt werden muss.“
Patentschrift DE 10 2022 114 831 B3, Absatz [0003]Einen ersten Behelf gab es da schon. Sein Sohn hatte eine einfache Konstruktion aus Holz gebaut — einen Rahmen, auf dem sich das Sieb hin- und herschieben ließ, statt es tragen zu müssen. Das war bereits eine spürbare Erleichterung.
Und es war der Moment, in dem die Sache anfing. „Als ich das dann sah, dachte ich, das kann man vielleicht noch besser machen.“
Acht Wochen
Zwischen der ersten Bleistiftskizze und der Anmeldung beim Deutschen Patent- und Markenamt liegen keine zwei Monate.
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20.04.2022
Die erste Skizze
Kariertes Papier, Bleistift, vier Farben Filzstift. Auf einem einzigen Blatt steht bereits fast alles: ein Siebkasten, der auf Rollen über einem Rahmen läuft, ein markierter „Rüttelbereich“, zwei Griffmulden zum Schütteln. Daneben Notizen zu zwei Größen — eine kleine für die Schubkarre, eine große auf Böcken — und zu zwei Ausführungen, Standard aus Metall und Premium aus Holz.
„Ich kann das ja nicht bauen“, sagt Scharfenorth über sich selbst. Gezeichnet hat er es trotzdem.
Konstruktionsplan, 20.4.22 -
21.04.2022
Ein Untergestell aus Eiche
Am Tag darauf steht das Konzept am Flipchart, überschrieben mit dem Arbeitstitel Easy-Komposter. Der Entwurf ist zu diesem Zeitpunkt aus Holz gedacht: zwei Eichenbalken mit über die gesamte Länge ausgefrästen Nuten, in denen die Rollen des Schlittens frei laufen. Dazu die Maße einer handelsüblichen Schubkarrenwanne, 60 × 80 Zentimeter, und eine Aussparung, die verhindert, dass das Gerät von der Karre rutscht.
Flipchart „Easy-Komposter“, 21.4.22 -
Danach
Ein Modell aus Papier
Bevor Metall geschnitten wird, entsteht der Trichter aus Karton — in Originalgröße, auf dem Wohnzimmertisch. Man sieht daran, worum es geht: die schrägen Wände, die das Einfüllen erleichtern, und die beiden ausgeschnittenen Griffmulden, mit denen sich der Kasten später rütteln lässt.
Kartonmodell in Originalgröße -
08.06.2022
Die Konstruktionszeichnung
Aus der Skizze wird eine CAD-Konstruktion. Der Siebkasten trägt bereits das Grün, das er bis heute hat; das Untergestell ist noch aus Holz. Deutlich zu erkennen: die kugelgelagerten Rollen und der Siebboden mit quadratischen Öffnungen.
Fünf Tage später geht die Anmeldung ans Patentamt.
CAD-Konstruktion, 8.6.22 -
13.06.2022
Anmeldung beim Patentamt
Eingereicht wird eine „Vorrichtung zum Sieben von Kompost“: ein Behälter, dessen Boden zumindest teilweise als Sieb ausgebildet ist, und eine Schiene, auf der sich dieser Behälter bewegen lässt. In der Begründung steht der Satz, der die ganze Geschichte trägt — dass das Hin- und Herbewegen dadurch erleichtert wird.
Patentzeichnung, Blatt 1 von 4 -
27.07.2023
Patent erteilt
Nach zwei Prüfungsbescheiden und zwei Erwiderungen erteilt das Deutsche Patent- und Markenamt das Patent. Als Erfinder eingetragen: Harald Scharfenorth. Zwei Entgegenhaltungen wurden geprüft, darunter eine französische Anmeldung von 1993 für eine Siebvorrichtung mit Handkurbel — die Lösung mit dem frei laufenden Schlitten blieb neu.
Patentzeichnung, weiteres Blatt
Das Schutzrecht
Vorrichtung zum Sieben von Kompost
Das Patent ist in Kraft. Es schützt den Kern der Idee: einen Siebbehälter, der auf Schienen läuft, statt in der Hand geschüttelt zu werden.
„Freude im Garten kann nur dann aufkommen, wenn man vernünftiges Werkzeug hat.“
Vom Einzelstück zum Produkt
„Das können wir ja auch anderen Leuten anbieten“
Bauen konnte Scharfenorth das Gerät nicht selbst. Also rief er einen Kunden an und bat ihn, einen Prototyp zu fertigen. Der Kunde machte es.
Was dann folgte, beschreibt er selbst als kurzen Weg: Wenn es im eigenen Garten funktioniert, funktioniert es auch in anderen. Es wurde eine Produktion aufgebaut und parallel ein Onlineshop. Aus dem Easy-Komposter auf dem Flipchart wurde der erste Jetroc.
Gefertigt wird in Deutschland. Die Nachfrage zieht jedes Frühjahr an — dann, wenn in den Gärten der Kompost vom Vorjahr durchgesiebt werden will.
Gebaut, um vererbt zu werden
Das Ziel stand von Anfang an fest: etwas Hochwertiges bauen. Kein Saisonartikel, sondern ein Gerät, das man weitergeben kann.
- Pulverbeschichteter Stahlrahmen Stabil und witterungsbeständig, mit Gummischutz gegen Verletzungen.
- Füße gegen Abrutschen Sie halten das Sieb sicher auf dem Rand der Schubkarre.
- Kugelgelagerte Rollen Der Siebkasten läuft leicht auf den Schienen — das ist der Kern des Patents.
- Maschenweite 10 × 10 mm Ausgetestet: fein genug für Humus, grob genug, dass nichts verstopft.
- Pulverbeschichtet Strukturgrün — nur das Siebgitter bleibt blank. Die Beschichtung entschärft zugleich alle Kanten.
- Das Grobe bleibt liegen Steine und Wurzeln wandern zurück auf den Kompost, nichts geht verloren.
„Wenn Sie damit vernünftig umgehen, können Sie das vererben.“
Harald Scharfenorth